Im Park des Altenheims kommen unter einer mächtigen alten Eiche Mensch und Tier in Kontakt. Man versteht glänzend auch ohne Worte. Allein die bloße Anwesenheit der Tiere weckt die Lebensgeister der alten Menschen. Denn trotz der Bemühungen der Heimleitung, die Tage abwechslungsreich zu gestalten, verläuft das Leben für die Bewohner oft recht eintönig, kommt zwangsläufig Langeweile auf.
Sabine Strübig, die mit ihrem Hund regelmäßig ihre Mutte
te, wie auch andere Heimbewohner Intereresse an ihrem vierbeinigen Begleiter zeigten. Da waren Wehwechen und Krankheiten vergessen, wurden Kekse gereicht, wurde geherzt und ge-streichelt, machten Geschichten über Hundeerlebnisse die Runde. Denn so mancher der Heim-
bewohner war in jungen Jahren Besitzer eines Vierbeiners. Und die Frage "Sie kommen mit dem Hund doch wieder?" zeigte Sabine Strübig, wie sehr sich die alten Leute über ihren Besuch gefreut hatten. Und die Darmstädterin nahm sich vor, die Streichelstunden zu einer regelmäßigen und von der Heimleitung genehmigten Veranstaltung zu machen.
Heimleiter Manfred Held freut sich heute, das Angebot von Sabine Strübig ohne großes Zögern angenommen zu haben. Daß auch ihre Mutter samt Hund mitkommt, macht die ganze Angelegenheit noch abwechslungsreicher. Die beiden Hunde tollen im Gras, führen Schaukämpfe mit heftigem Geknurre auf, f&
auptdarsteller ohne große Proben perfekt aus.
"Die Hunde wußten sofort, was man von ihnen erwartete, nicht das geringste Zutun war nötig", erzählt Mechthild Krapp. Besonders erstaunt ist sie, daß "Nina" und "Annie" sich zuerst immer den besonders verschlossenen Kranken widmen und dies mit besonderer Zärtlichkeit.
"Die Tiere müssen ein Gespür dafür haben, wer Aufmunterung besonders nötig hat", meint die Hundebesitzerin, "sie gehen dem Leid eben nicht aus dem Weg, nehmen den Menschen bedingungslos an." Und Heimleiter Manfred Held freut sich über ein Lächeln auf dem Gesicht des aus der Lethargie geweckten alten Mannes, über die dem Hund entgegengestreckte Hand. Die ersten Lebenszeichen nach einem schweren Schlaganfall.
Für neuen Lebensmut sorgt Sabine Strübig auch im Pflege- und Therapie-Zentrum Volpp in der Neckarstraße. Dort trifft man sich im Café, in einer Ecke auf dem G
pflegebedürftiger Bewohner, meist ist eine Therapeutin dabei. Auch dort lenken die Hunde allein durch ihr freundliches Wesen von den Beschwerden der alten Menschen ab. Tiere seien zwar kein Ersatz für Menschen, in Anbetracht der Brutalität des Alleinseins hätten sie jedoch eine wichtige soziale Funktion, zitiert Sabine Strübig den Vorsitzenden des "Forschungskreises Heimtiere in der Gesellschaft", Reinhold Bergler.
"Den beiden Hunde gebührt großer Dank, sie bringen den Menschen Aufmerksamkeit und Zuneigung entgegen, ohne etwas zu fordern", sagt Sabine
Strübig. Kontaktarmut werde überwunden, die Menschenkönnten wieder gelöster und freier sprechen. Derweil machen sich die beiden Vierbeiner bereit zu einer neuen Streichelrunde, holen sich mit weicher Schnauze die bereitgehaltenen Leckerlis ab.
Der Erlanger Psychologe Erhard Olbrich spricht vom "Aschenputtel-Effekt": In den Augen eines
altige Gesicht der alten Frau "zum Antlitz einer Prinzessin". Und ein Hund höre sich, wenn die Verwandten schon längst die Augen verdrehen, auch zum wiederholten Mal noch geduldig dieselben Geschichten oder Sorgen eines betagten Menschen an.